MIDI-Feintuning

Ist die gesamte Komposition erstellt, geht es ans Feintuning. Zunächst sollte man den Klang der Instrumente überprüfen und gegebenenfalls an verschiedenen Stellen den Erfordernissen anpassen. Dies kann z.B. ein aggressiverer Anstrich der Streicher sein (Attack-Time verkürzen), ein weicheres Anblasen der Holzinstrumente und Ähnliches. Ist die Klangqualität eingestellt, sollte man sich dem Timing widmen. Hierunter fällt nicht nur das Einbringen von Accelerandi und Deaccelerandi (grobe Tempowechsel wurden bereits beim Erstellen der Partitur berücksichtigt), sondern auch das minimale Verschieben einzelner Noten um eine leichte Verzögerung zu erzielen. Erst diese Agogik gibt der Musik ein "menschlich-natürliches" Timbre und sollte deshalb mit großer Sorgfalt geschehen. Die dafür benötigte Zeit darf man nicht unterschätzen, sie nimmt einen gehörigen Teil der gesamten Arbeitszeit in Anspruch.

Besonders "heimtückisch" sind bei dieser Aufgabe der "MIDI-Auslöschungseffekt" und der "Stimmen­klau".
Der MIDI-Auslöschungseffekt tritt auf, wenn ein Instrument mehrstimmig gespielt wird und mindestens zwei Stimmen zum selben Zeitpunkt den selben Ton spielen, jedoch mit unterschiedlicher Länge. Endet der kürzere von beiden Tönen, so wird von allen Sequenzern die ich kenne ein Tone-off Befehl (bzw. ein Tone-on Befehl mit der Anschlagstärke Null) gesendet. Dies entspricht durchaus der MIDI-Konvention, löscht aber dummerweise den längeren von beiden Tönen gleich auch mit aus. Als Folge davon wird die Komposition nicht so gespielt, wie sie in den Noten steht.
Stimmenklau wiederum tritt auf, wenn der angeschlossene Klangerzeuger dahingehend überlastet ist, daß er mehr Töne spielen soll, als ihm elektronische Stimmen dafür zur Verfügung stehen. In einem solchen Falle nehmen die meisten Klangerzeuger nach einem ausgeklügelten Verfahren Stimmen von weniger wichtigen Tönen weg. Dies "dünnt" den Klang mitunter stark aus, auf alle Fälle verfälscht es ihn hörbar. Gerade bei sinfonischen Kompositionen, speziell aus der Spätromantik, wo mit großen Orchestern gearbeitet wird, tritt diese Situation recht häufig ein.
Beide Effekte erschweren das saubere Feintuning. Solange es noch keine Klangerzeuger mit 256 elektronischen Stimmen gibt, hilft hier nur die Erfahrung um schon im Vorfeld das Endergebnis abschätzen zu können. Später, beim endgültigen Mastering, tritt dieses Problem nicht mehr auf, da dann jedes einzelne Instrument als Audioaufnahme vorliegt (siehe nachfolgenden Punkt).

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